Khuê Phạm

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Khuê Phạm (2015)

Khuê Phạm (* 1982 in West-Berlin) ist eine deutsche Journalistin und Schriftstellerin.

Khuê Phạm wuchs als Tochter vietnamesischer Einwanderer in Berlin-Reinickendorf auf.[1] Ihr Vater ist Arzt, ihre Mutter arbeitet bei einer Bank. An der London School of Economics and Political Science studierte Phạm Soziologie. Anschließend arbeitete sie für The Guardian, National Public Radio, Spiegel Online sowie als freie Journalistin in Berlin, bevor sie 2009/2010 eine Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule absolvierte[2] und dann im September 2010 als Politikredakteurin bei der Zeit begann.[3] 2019 wechselte sie zum ZEITmagazin.

2012 veröffentlichte sie zusammen mit Alice Bota und Özlem Topçu das Sachbuch „Wir neuen Deutschen“, das von Einwandererkindern und ihrem Platz in Deutschland handelt.[4] 2021 veröffentlichte sie ihren Debütroman „Wo auch immer ihr seid“, eine literarische Annäherung an ihre eigene Familie.[5]

2022 war sie Mitgründerin des PEN Berlin.[6]

Wo auch immer ihr seid

Die Literaturkritikerin Christine Westermann hat den Roman im WDR als „Buch der Woche“ empfohlen und darüber geschrieben: “Man muss sich nicht in der Geschichte des Vietnamkrieges auskennen, um diesen Roman großartig zu finden. Geht einfach so und ganz leicht.”[7]

Im Deutschlandfunk Kultur sieht Anne Kohlick darin einen „bereichernden Beitrag zur postmigrantischen deutschen Literatur. Was Khuê Phạm zu sagen hat über transgenerationale Traumata, Heimatverlust und Identitätsfindung braucht den Vergleich mit Werken von Shida Bazyar, Sharon Dodua Otoo oder Saša Stanišić nicht zu scheuen.“[8]

Franziska Koohestani urteilt auf jetzt.de: „Pham schreibt sorgsam, selbstbewusst und mit viel Feingefühl für Details, ohne sich darin zu verlieren. All die komplizierten ideologischen Verstrickungen des Vietnamkriegs arbeitet sie scheinbar mühelos in die Geschichte ein.“[9]

Wir neuen Deutschen

Die Spiegel-Online-Journalistin Anna Reimann empfindet das Buch „Wir neuen Deutschen“ von Alice Bota, Khuê Phạm und Özlem Topçu als „ein Porträt ihrer Generation“ und „zugleich eine schonungslose Analyse der deutschen Gesellschaft“. Den Autorinnen sei „das Porträt ihrer Generation – der jungen, gebildeten, engagierten Einwandererkinder gelungen – einer Generation, die auch Ansprüche an Deutschland stellt“.[10]

„Einblicke in drei unterschiedliche Familien aus nichtdeutschen Kulturkreisen“ sieht Gerrit Bartels auf DLF Kultur gewährt, „und zwar dann, wenn jede der drei Autorinnen von sich selbst spricht. Schwieriger sind die Passagen, in denen sie, der Titel gibt es vor, ‚wir‘ sagen und ihre Erfahrungen verallgemeinern.“ In seinen Augen „ist das Problem dieses Buches, dass es selbst mit den Inklusionen und Exklusionen arbeitet, die es beklagt“, weshalb er fragt, ob „viele der ‚neuen Deutsche‘ eigentlich gar keine ‚neuen Deutschen‘ sein wollen – sondern einfach nur Journalistinnen oder Ärzte, Arbeiter oder Taxifahrer, Schwestern oder Familienväter“.[11]

Für Nadine Lange (Tagesspiegel) tragen die Autorinnen „mit ihrem Buch jedenfalls zur Erhöhung der interkulturellen Kompetenzen bei“. Sie sähe es bereits als „Erfolg, wenn ihre biodeutsche Leserschaft die reflexhafte ‚Woher stammst du?‘-Frage etwas seltener“ stelle.[12]

„Wir neuen Deutschen“ ist für die dpa „keine emotionale, von Selbstmitleid getragene Selbstbeweinung. Es ist ein nüchterner Bericht darüber, wie es sich anfühlt, in Deutschland mit einem anderen Hintergrund aufzuwachsen.“[13]

Einzelnachweise

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  1. Khuê Phạm: "Anders zu sein, war nie einfach, aber immer ein Antrieb". 26. November 2021, abgerufen am 1. September 2023 (deutsch).
  2. Khuê Pham: Wie die Nannen-Schule mein Leben prägt. In: Spiegel Online. 17. Mai 2010.
  3. Khuê Pham. Autorenprofil bei der Zeit.
  4. active value: Wir neuen Deutschen. Abgerufen am 31. Juli 2022.
  5. SWR2, SWR2: Khuê Pham – Wo auch immer ihr seid. Abgerufen am 31. Juli 2022.
  6. Mitgründer:innen. Archiviert vom Original am 18. Juli 2022; abgerufen am 18. Juli 2022.
  7. "Wo auch immer Ihr seid" von Khuê Phạm. 29. Oktober 2021, abgerufen am 31. Juli 2022.
  8. deutschlandfunkkultur.de: Khuê Phạm: “Wo auch immer ihr seid” - Kein Bock auf Little Saigon. Abgerufen am 31. Juli 2022.
  9. Die lästige Frage nach der Herkunft. 23. September 2021, abgerufen am 31. Juli 2022.
  10. Anna Reimann: Die neuen Deutschen. In: Spiegel Online. 8. September 2012.
  11. Gerrit Bartels: Noch so ein typisches Generationsbuch. In: DLF Kultur. 18. September 2012.
  12. Nadine Lange: Nicht auffallen, hart arbeiten. In: Tagesspiegel. 24. September 2012.
  13. Die neuen Deutschen – eine „hybride“ Identität. In: Focus. 2. Oktober 2012.
  14. Die Top 30 bis 30 2011. In: Medium Magazin. 8. September 2011.
  15. Zeit-Konferenz „Der Auftrag“. 20. November 2019.
  16. Thomas Strothjohann: Die Journalisten des Jahres. In: Medium Magazin. 01–02/2013, S. 20–23.
  17. Khuê Pham: Cyberstalking – Der Feind in unserem Netz. In: ZEITMagazin. Nr. 52/2015, 23. Dezember 2015.
  18. Nominierter Text 2016. In: BDZV.
  19. Jana Simon, Annabel Wahba, Christian Fuchs, Khuê Pham und Nadine Ahr: Der Schattenmann. In: Die Zeit. Nr. 5/2018, 25. Januar 2018.
  20. ZEITmagazin und DIE ZEIT gewinnen drei Auszeichnungen. In: Zeit Online. 4. Dezember 2018.
  21. Leuchtturm 2018 für das MeToo-Rechercheteam der ZEIT. In: Netzwerk Recherche. 29. Juni 2018.
  22. PREISTRÄGER 2020. In: helmutschmidtjournalistenpreis.de. ING-DiBa AG, abgerufen am 27. November 2020.
  23. „Books at Berlinale“ beim Berlinale Co-Production Market – Zehn ausgewählte Bücher als Stoffe für Film- oder Serienadaption. Abgerufen am 31. Juli 2022.
  24. Franziska Koohestani: Buchkritik: Khuê Phams Debütroman. In: jetzt.de. 23. September 2021, abgerufen am 24. September 2021.